Aktuell
Ein Buch gegen das Vergessen
Die Autorin und Illustratorin Stephanie Lunkewitz erarbeitete gemeinsam mit Eva Szepesi die Geschichte der zwölfjährigen Eva Diamant. Insgesamt acht Jahre dauerte die intensive Zusammenarbeit. 2025 erschien dann das Buch „Ich war Eva Diamant“ im Ariella Verlag.
Eva Szepesi war es wichtig, ihre Geschichte in einem Kinderbuch darzustellen. Der Leidensweg der jungen Eva wirkt besonders eindringlich durch die realistischen Illustrationen von Stephanie Lunkewitz. Diese ist seit 2025 mehrere Wochen im Jahr mit dem Buch auf Lesereise in Deutschland, besonders bewegend sind die Lesungen gemeinsam mit der heute 94jährigen Eva Szepesi. Stephanie Lunkewitz wird von Schulen eingeladen und liest vor Erwachsenen. In ihrer Wahlheimat Los Angeles arbeitet sie aktiv im Holocaust Museum.
Seit Jahrzehnten leistet Eva Szepesi Aufklärungsarbeit über ihre Geschichte und den Holocaust durch öffentliche Auftritte. Dafür erhielt sie 2017 das Bundesverdienstkreuz.
Die Veranstaltung in der Stadtbibliothek wird ca. 1 Stunde dauern. Zuerst liest Frau Lunkewitz das komplette Buch und wird dann über dessen Entstehung und ihre intensive Zusammenarbeit mit Eva Szepesi informieren. Nach der ca. 25minütigen Lesung steht sie gerne für Fragen zur Verfügung.
Oskar Maria Graf
Geschichten aus der Geschichte
am Dienstag, den 21. Juli 2026 um 19.30 Uhr
im GIKS, Kirchtorplatz 4, 84405 Dorfen
mit
Monika Roth-Dittlmann, Arthur Dittlmann
und Christian Theis
Musik
Arthur Dittlmann

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Programm
1
Das Ende Ludwig II.
Das Leben meiner Mutter
2
Oskar Maria Grafs Vater
über die Ursachen von Kriegen
Das Leben meiner Mutter
3
über den Ersten Weltkrieg
Das Leben meiner Mutter
4
der 7. November 1918
Wir sind Gefangene
5
da Seppi und die Revolution
Gelächter von außen
6
wie Graf und Hitler einmal
zusammen Schmalznudeln aßen und
Malzkaffee tranken
Gelächter von außen
7a
Verbrennt mich
Arbeiter-Zeitung Wien, 12.Mai 1933
7b
Die Bücherverbrennung - 1939
von Bert Brecht
Svendborger Gedichte
7c
Nachschrift zu „Verbrennt mich“ - 1960
Dietz/Pfanner
Beschreibung eines Volksschriftstellers
8
Dachauer Chronik - 1933
Reden und Aufsätze aus dem Exil
9
über den Pazifismus - 1957
Oskar Maria Graf in seinen Briefen
10
Brief aus New York - 1954
Oskar Maria Graf in seinen Briefen
11
Einstiges (verbotenes) Bayrisches Nationallied
Manchmal kommt es, dass wir Mörder sein müssen
(Gesammelte Gedichte)
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Unser Heimatkundeheft ist fertig und ab sofort erhältlich in unserem Raum an der Marktkirche, in der Dorfener Buchhandlung und im Zeitschriftenladen Streibl. Es kostet 5€
Geschrieben wurde es von Doris Minet in ihrer Schulzeit um 1960.
An der Ergänzung mitgearbeitet haben Günter Janocha, Heidi Oberhofer-Franz und Schorsch Wiesmaier.
Zusätzliche Beiträge verfasst haben
Heiner Müller-Ermann, Andreas Hartl und Joachim Wild.
Ein paar Seiten aus dem Heft:



Grafeneck war eine von sechs Tötungsanstalten der Aktion T4.
Nach Grafeneck ging am 18. Januar 1940 der erste Transport der Aktion T4 von Eglfing-Haar ab - mit 25 Patienten, die dort getötet wurden.
Darunter waren zwei Dorfener, der Großvater von Andreas Schweiger (Getränke-Oase) Franz Schweiger und Stefan Keiß.
Insgesamt wurden über 10 000 Menschen in Grafeneck umgebracht.
Näheres zur Gedenkstätte Grafeneck.
Ein scheinbar idyllischer Ort:

Das ehemalige Verwaltungsgebäude der Tötungsanstalt:

Wir hören einen Vortrag von Herrn Stöckle, dem Leiter der Gedenkstätte:



Hans Elas und Herr Stöckle:



Liste der Opfer mit Stefan Keiss aus Dorfen:

Liste der Opfer mit Schweiger Franz aus Dorfen:


Listen aller Opfer der Tötungsanstalt Grafeneck (über 10 000):

Herr Professor Joachim Wild führte uns durch das ehemalige KZ-Außenlager Thalham.
Näheres zu Thalham siehe hier.
Zwei noch existierende Baracken des ehemaligen Lagers Thalham. In ihnen waren etwa 50 italienische Zwangsarbeiter untergebracht.

Hinten, der Herr mit dem blauen Hemd, ist Joachim Wild.

Rundgang zur NS-Vergangenheit und Nachkriegszeit in Dorfen
Die Broschüre zeigt an Orten, Personen und Gebäuden, wie sich in den 1930er Jahren der
Nationalsozialismus auch im damaligen Markt Dorfen festgesetzt und ausgebreitet hat: in der
Verwaltung und ihren Anordnungen, in Karrieren, in Schulen, in der Kirche. Die Gleichschaltung
nahezu aller gesellschaftlichen Bereiche, die Durchsetzung des „Führerprinzips“, die antisemitischen Gesetze, die ideologische Formung der Jugendlichen waren nicht nur Sache der großen Städte, vielmehr fand sich all dies auch in der Provinz. Auch im kleinen Dorfen gab es Täter, Opfer, Mitläufer, Profiteure - und Menschen, die nicht alles mitmachten.
Es wird nachvollziehbar, wovon Befreiung nötig war, als in den ersten Maitagen 1945 die Amerikaner Dorfen erreichten. In den folgenden Jahren änderte sich manches im Markt - mit den Flüchtlingen und Heimatvertriebenen aus dem Osten kamen nicht nur zusätzliche Menschen mit Bedürfnissen, sondern auch neuer Schwung in den Ort. Hunderte jüdischer Überlebender, die auf eine Ausreisemöglichkeit warten mussten, wurden kaum wahrgenommen, schon gar nicht mit ihrem Schicksal. Und manche Nazi-Aktive erhielten in wenigen Jahren wieder leitende Ämter.
Die Broschüre (22 Seiten) ist um 3 Euro erhältlich
- in der Buchhandlung Sauer, Unterer Markt 1 ,
- im Zeitschriftenladen Streibl am Rathausplatz 9,
- im Begegnungsraum der Geschichtswerkstatt an der Marktkirche (Samstag 11.00-13.00).
Die Geschichtswerkstatt Dorfen bietet geführte Stadtrundgänge in unregelmäßigen Abständen bzw. auf Anfrage an.
Siehe dazu Süddeutsche Zeitung vom 19.5.2025
Am 8. Mai 1945 kapitulierte die deutsche Wehrmacht. Die Alliierten beendeten mit dem Sieg über Deutschland eine zwölf Jahre währende Herrschaft des Schreckens.
Am 1. Mai 1945 rollten in Dorfen um 20.00 Uhr amerikanische Panzer ein. Nach nächtlichen Gefechten wurde am 2. Mai um 10.00 Uhr der Markt übergeben. Dorfen war befreit.
Örtliche NS-Funktionäre, wie der Ortsgruppenleiter und Bürgermeister Georg Erhard, wurden verhaftet. Die Nazigegner, die es in Dorfen auch gab, konnten aufatmen. Die
Kriegsgefangenen und Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter kamen frei.
An die Befreiung Dorfens und deren Vorgeschichte erinnert die Geschichtswerkstatt Dorfen mit musikalischer Unterstützung von Werner Meier, Dieter Knirsch und Leonhard M. Seidl.
mit Jean-Pierre Félix-Eyoum, Oberdorfen.
Großneffe von Rudolf Douala Manga Bell
am Dienstag, 20. 5. 2025
um 19.30 im Pfarrsaal von Mariä Dorfen, Ruprechtsberg
Eintritt auf Spendenbasis
Veranstalter: GWD
Der Kameruner Rudolf Douala Manga Bell wurde in deutschen Schulen erzogen. Er schätzte das deutsche Recht und hatte als König seines Volkes gute Beziehungen zu den Deutschen unterhalten. Sein friedlicher Widerstand gegen koloniale Landnahme wurde ihm zum Verhängnis: er starb am Galgen der deutschen Kolonialherren. 30 Jahre lang bemühte sich sein Großneffe Jean-Pierre-Eyoum um die Rehabilitierung des afrikanischen Königs. 2024 gelang ein entscheidender Schritt.
Die deutsche Beteiligung am Kolonialismus und die Folgen ist vielen bis heute kaum ein Begriff. Am Beispiel Kameruns und des Douala-Königs werden Zusammenhänge deutlich.
Rudolf Duala Manga Bell
Tet´Ekombo, Vater des Volkes! So nennen ihn die Leute in Douala, Kamerun. Er lebte nur vierzig Jahre, von 1873 bis 1914. Rudolf Duala Manga Bell war der erste Sohn von Manga Ndumbe und Enkel von Ndumb´a Lobe, der von den Europäern King Bell genannt wurde. Er war gerade 11 Jahre alt, als sein Großvater einen Vertrag mit Vertretern des deutschen Reiches unterschrieb und Kamerun damit deutsche Kolonie wurde. In diesem Vertrag versprachen die Deutschen ihm und den anderen Douala-Oberhäuptern, dass sie die Grundstücke und das Handelsmonopol im Besitz der Einheimischen belassen werden. So bekam das Deutsche Reich den Vorzug gegen England und Frankreich.

Von 1891 bis 1897 wurde Rudolf Duala Manga Bell als Jugendlicher in Deutschland ausgebildet und kehrte als selbstbewusster Mann mit einem ausgeprägten Sinn für Rechtsfragen und Gerechtigkeit nach Kamerun zurück. Nachdem er in Nachfolge seines Vaters zum König der Douala ernannt worden war, musste er 1910 erleben, dass die deutschen Kolonialherren die Vereinbarungen aus dem Jahre 1884 nicht mehr einhalten wollten.
Es kam zu Enteignungen und rücksichtslosen Vertreibungen der Duala von ihren angestammten Ländereien. Rudolf stellte sich vor sein Volk, verzichtete auf alle Verlockungen und verteidigte konsequent seine Landsleute bis zum Tod.
Dabei benutzte er ausschließlich friedliche und rechtsstaatliche Mittel, darunter Information und Mobilisierung der Öffentlichkeit und der Presse, Beschwerden beim Reichstag, Kontakte zu Rechtsanwälten und Petitionen.
In einem Scheinverfahren am 7. August 1914 wurden er und sein Vertreter Ngoso Din wegen angeblichen Hochverrats zum Tode verurteilt und am folgenden Tag auf Befehl des deutschen Gouverneurs Karl Ebermeier im Innenhof der deutschen Polizeistation in Douala gehängt.
Die Anklage war unbegründet und ein konstruierter Vorwand zur Eliminierung kolonialen Widerstands. Selbst nach damaligen Standards ignorierte das Verfahren Grundsätze der Justiz.
Am 8. August 2024, 110 Jahren nach diesem Justizmord bekannte Katja Keul, Staatsministerin im Auswärtigen Amt, im Namen der Deutschen Bundesregierung den Fehler des damaligen Reichskolonialamtes. In einer Presseerklärung bedauerte sie das Fehlurteil der Kolonialregierung und betonte dabei die Unschuld von Rudolf Duala Manga Bell und Adolf Ngoso Din.
Nun wird erwartet, dass die Regierungen beider Länder über zukünftige Wege der gemeinsamen Zusammenarbeit verhandeln, sei es in Wirtschaft, Kunst, Kultur sowie Schul- und Universitätswesen. Dies war hoffentlich nur ein erster Schritt in der Aufarbeitung der kolonialen Geschichte zwischen Deutschland und Kamerun!
Jean-Pierre Félix-Eyoum
Kolonialistisches Denken und Handeln – in den kleinsten Orten, bis heute
Der deutsche Kolonialsimus war bis vor kurzem ein völlig unterbelichtetes Thema. Er wurde in der Schule wie im gesellschaftlichen Diskurs wenig bis gar nicht erwähnt: dabei war das Deutsche Reich zeitweise flächenmäßig die drittgrößte Kolonialmacht weltweit.
Kamerun wurde wie andere afrikanische Länder 1884 unter die deutsche Schutzmacht gestellt worden, was bedeutete: die Menschen waren damit Untertane des deutschen Kaisers – doch das deutsche Recht galt nicht für sie, der Schutz betraf nur die Kaufleute und Kolonisatoren. Die Deutschen waren speziell in den afrikanischen Kolonien grausame Herrscher: sie straften wegen geringster sogenannter Vergehen oder zu langsam empfundener Arbeit mit der gefürchteten Nilpferdpeitsche, ertränkten Kinder zur Strafe, richteten Konzentrationslager ein, ermordeten willkürlich Menschen; der erste Völkermord des 20.Jahrhunderts fand gegen die Herero und Nama in Namibia statt, u.a. trieb man die Menschen in die nahezu wasserlose Wüste und riegelte sie ab, so dass Zehntausende verdursteten.
Zwar währte die Herrschaft der deutschen Kolonialherren „nur“ 30 Jahre – doch profitierten die Deutschen schon lang davor von den Kolonien, und das koloniale Denken und Handeln endete nicht 1918. Das „Sammeln“ von Kulturgütern, rituellen Gegenständen und menschlichen Körpern ging weiter. Die Nationalsozialisten nahmen diese Grundlagen gern auf, sie gründeten ein Reichskolonialamt, und nutzten mitgebrachte Körper zu Vermessungen zur sog. „wissenschaftlichen“ Begründung ihrer Rassenideologie.
Im deutschen Sprachgebrauch prägte sich das koloniale Bild: man sprach von Rebellen und meinte die sich wehrenden Einheimischen, man nannte Aufstand, was Selbstverteidigung der ansässigen Bevölkerung war. Der Raub der Militärs, Missionare und Forscher:innen galt als Sammeln, Gegenstände für religiöse Rituale wurden als Fetische entwertet.
Verbreitet war und ist noch die Ansicht, es gäbe in Afrika keine wirkliche Kultur - dabei lagern z.B. allein in deutschen Museen geschätzt 40 000 Gegenstände nur aus Kamerun, die von Kolonialist:innen mitgebracht worden waren. Im Fünf-Kontinente-Museum in München ist bis heute von genau einer Rückgabe die Rede.
Die botanischen Gärten gäbe es ohne die Kolonialisierung wohl gar nicht. Mit den Pflanzen aller Art hat man auch oft gleich noch die Menschen mitgenommen, die unter grausamen Bedingungen die Gärten anzulegen hatten. Derzeit beginnt man in manchen Gärten die Namen der Pflanzen zu ändern, die z.B. mit caffara(= Kaffern) näher bezeichnet wurden.
Je mehr man sich damit beschäftigt, desto deutlicher wird, wie unser Alltagsleben auf einem kolonialistischen Umgang basiert und wir uns täglich günstiger Produkte bedienen, deren Preis nur durch die Arbeit zu ausbeuterischen Bedingungen zustande kommt. Auch wenn man heute nicht mehr von Kolonialwaren spricht wie vor einigen Jahrzehnten, ist der Preis durch den Handel für Kaffee, Tee, Palmöl, Baumwolle, Früchte , Bodenschätze selten angemessen – bis hin zur Ausbeutung Seltener Erden für unsere Smartphones, die in gesundheitsschädlicher Kinderarbeit geschieht. Und afrikanische Menschen arbeiten sogar auf europäischem Boden in menschenunwürdigen und unfreien Verhältnissen.
Die EU steht nicht einmal zum Lieferkettengesetz, das Kinderarbeit verhindern sollte! Der faire Handel hat ein schweres Leben -
in Dorfen haben wir immerhin die Möglichkeit, vor Ort Kaffee, Tee, Schokolade, Reis und wunderschöne Alltagsgegenstände zu kaufen, die den Produzent:innen reelle, faire Preise garantieren: Weltladen am Rathausplatz 7.
Monika Schwarzenböck


